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„Ich glaube nicht, dass man jemals davon loskommt, wenn man das gute Zeug einmal probiert. Doch ich glaube, dass man durchhalten kann, solange es nicht gestreckt ist und richtig dosiert.“ – Danger Dan, Mein Heroin

Die Ware ist eingetroffen und der Plan steht. Es hat ein paar Wochen gedauert, aber jetzt ist alles bereit. Wir verladen das neue, hochexplosive Material in den Kofferraum und schlüpfen in den Wagen. Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken, wir verfahren strikt nach Absprache. Unsere Skizzenhefte und Notizbücher sind entsichert, die Laptops und Smartphones entsperrt. Egal, wer man ist und wo man herkommt: die Panik darf nur im Kopf stattfinden. Und wenn du es machst, dann mach es cool. Auf unserem rasanten Trip zum Übergabeort bemerkt unser Fahrer etwas Verdächtiges im Rückspiegel: unsere Gegenspieler haben längst die Verfolgung aufgenommen. Bildungsbürgerliche Krieger für soziale Gerechtigkeit, Handelskammervertreter, Journalisten, Deadlines, Verfassungsschützer, Kleinkünstler, Notare, rivalisierende Redaktionen, Versicherungsvertreter; sie alle scheren knapp hinter uns ein und folgen in unserem Windschatten. Sie alle wollen am Deal beteiligt werden, ein Stück des Kuchens abhaben, auf der Welle mitreiten oder uns am liebsten gleich aus dem Weg schaffen. Unsere Verfolger sind hartnäckig und geschickt, aber haben es zu eilig. Verschenken Zeilen und Seiten, als wären es Süßigkeiten. Sie lassen sich keine Zeit. Es geht darum, sorgfältig zu zielen und dem Teufel in die Augen zu sehen.

Im Rückspiegel erscheinen die Dinge oft sehr viel größer als sie sind und wir haben nicht vor, uns nach sechs äußerst erfolgreichen Deals, diesmal einen Strich durch die Rechnung machen zu lassen. Es gibt keinen Grund mehr, leise zu sein. Ist nicht mehr nötig. Wir sehen es so: alles, was wir zu verlieren hatten, ist schon weg. Allen zeigen, dass man nicht völlig nutzlos ist und dann auftreten mit einem Knall. Fake it until you make it. Unberechenbar bleiben. Sie bekommen uns weder tot noch lebendig zu fassen. Mit einigen schneidigen Ablenkungs- und Wendemanövern hängen wir sie locker ab und erreichen chill as fuck den Treffpunkt in der Innenstadt. Noch während wir damit beschäftigt sind, die ersten Exemplare auszulegen, strömen Menschen in das Lokal. Sie warten seit Monaten auf eine neue Ausgabe und wollen nicht länger mit Methadon substituiert werden. Sie dürfen sich den Stoff selbst abpacken. Unser Job ist erledigt. Der Goldene Schuß verteilt sich praktisch wie von selbst. Kein Wunder, bei der Qualität.

Das Leben schreibt die übelsten Geschichten und wir haben davon wieder einmal die besten zusammengestellt. Während andere die normale Durchschnittsware abliefern, hauen wir nunmehr vierteljährlich den wirklich harten Stoff raus. Die neue Ausgabe ist doppelt so stark; sie ist so stark, dass man sie rauchen könnte. Definitiv nichts für Vorstadtkids mit drei Vornamen, die Angst vor der Nadel haben. Low Life Stories ist viel mehr als nur ein vierteljährlich erscheinender Gemeindebrief des Prekariats. Wir mögen den Gestank der Straße. Wir riechen ihn gern. Wenn wir ihn einatmen, fühlen wir uns wohler. Er steht uns auch gut. Der Trick ist, das eigentliche Gift in geringen Dosen abzugeben. Man muss nicht vorgeben, etwas mit Medien oder Literatur studiert zu haben, um zu begreifen, was hier abgeht: DSGVO, Upload-Filter, Paywalls. Hasssprech, virtuelle Schutzräume, Werbung und allumsichgreifende Skepsis. Die sozialen Medien sind toter als tot. Print kommt zurück, und zwar im ganz großen Stil. Das Berufsrisiko, ein Schauspiel aus sich selbst zu machen, besteht darin, dass man sich eines Tages auch ein Ticket kauft. Und wir verraten wir euch jetzt mal etwas, was fast jeder auf dieser Welt automatisch weiß: Kontrolle ist eine Illusion, denn niemand weiß, was als nächstes passiert. Sie ist das, was man nie wirklich hat und ohne 50 Pillen im Kopf auch nie wirklich verliert. Der Goldene Schuß beschäftigt sich nicht mit dem, was getan worden ist. Uns interessiert, was getan werden muss. Der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht. Jenen Playerhatern, denen weder Titel noch Inhalt unseres Projektes zusagen, weil sie das Potenzial und die Wirkung unseres Materials vor ihrem engen Horizont nicht zusammenbekommen, ist eigentlich nicht mehr zu helfen, aber sei dennoch gesagt: auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen – oder sie werfen. Gegner glauben uns zu widerlegen, indem sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsere nicht achten. Und so langsam drängt sich uns der Eindruck auf, dass wir wohl ein bisschen zu tief gezielt haben, als wir euch in den Bauch geschossen haben. Unsere Armut kotzt uns an. Deshalb haben wir 150 € für ein Projekt gespendet, dem es offenbar genauso geht. Gemeinsam prekär, gemeinsam schwach. Nur so entsteht Zusammenhalt. Not macht erfinderisch.

Wir haben von Beginn an klargestellt, dass wir euch irgendwann, möglicherweise aber auch nie, bitten werden, uns eine kleine Gefälligkeit zu erweisen. Niemand hatte die Absicht, einen Bettelbrief zu drucken und nun haltet ihr das hier in der Hand. Ein Trauerspiel. Die unbezahlten Arbeitskräfte leisten unbezahlbare Arbeit und rütteln immer öfter an ihren Ketten. Man musste ihnen entgegenkommen und so haben wir uns entschlossen, nur noch lausige 4 statt 6 Ausgaben pro Jahr zu verlangen. Dafür nur noch Wasser und Brot, Selbstgedrehte sowieso. Ihr habt bei uns drei Möglichkeiten, eure Arbeit zu machen: auf die richtige Art, die falsche Art und auf unsere Art. Wenn ihr eine Geschichte oder ein fieses Foto habt, dass ihr analog teilen wollt, her damit. Zum Dank gibt es keine Fußnote in den Geschichtsbüchern und auch keine Plakette auf einer Parkbank. Dafür Zahnpastatubenquetscher in Spritzenform, ein Bier vom Discounter oder ein freundlicher Shoutout auf der letzten Seite. Mehr ist nicht drin, keiner hat Kohle. Deshalb kommt Der Goldene Schuß nun auch Anfang des Monats raus, wir wissen ja, wie das ist. Aber eins ist sicher: von jetzt an steht ihr alle in unserem Buch der coolen Leute. Das ist wirklich ein kleines, schwarzes Notizbuch und damit sicher, auch wenn die CIA oder die Zombies kommen und die Welt, wie wir sie kennen, in Dunkelheit und analogem Schriftverkehr versinkt. Word!

Der G-Redakteur

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